Seien wir ehrlich: Die Zeiten, in denen Werbung im Internet innovativ war und folglich Neugier erzeugte, sind lange vorbei.
Heute sind Konsumenten völlig übersättigt mit ungewollten Produkthinweisen und unerwünschten Spam-Mails und die allermeisten Internetnutzer rollen nur noch genervt mit den Augen über die vielen Kaufaufforderungen.
Bereits seit Jahren gibt es für Internetbrowser kleine Erweiterungen, die Werbebanner, Popups und blinkende Werbegrafiken blockieren, so dass Webseiten werbefrei erscheinen (z.B. AdblockPlus als Addon für Firefox). Die hohen Downloadzahlen von AdblockPlus (im Schnitt 3 Millionen Downloads pro Monat) bestätigen den allgemeinen Trend: Werbung im Internet mag heute kaum noch jemand sehen.
Social Media-Plattformen, wie Twitter oder Facebook, bieten andere und vor allem persönlichere Möglichkeiten, die eigenen Produkte und Dienstleistungen im Internet bekannt zu machen. Einerseits kann man sich mit Menschen vernetzen und ist dadurch dichter am Endkunden. Andererseits kann man über kurze Nachrichten (Microblogging) Informationen und Links zur eigenen Website oder Onlineshop verbreiten und so die Besucherzahlen der Seite erhöhen.
Doch auch die Idee, Social Media-Plattformen für Onlinemarketing zu nutzen, ist längst nicht mehr neu, und dementsprechend ist auch dort das Interesse an Werbung eher gering. Bei Twitter gibt es nicht umsonst die Funktion “Diesen User als Spam melden”. Allzu aggressives Werben für die eigenen Produkte kann also zur Sperrung Ihres Profils führen.
Nerven Sie nicht rum
Was rüde klingt, ist der einzige Ratschlag, den man in puncto Onlinemarketing geben kann.
Führen Sie sich immer vor Augen, dass das Internet gerammelt voll ist mit “Kauf mich!”-Aufforderungen. Niemand – wirklich niemand ist scharf auf eine weitere.
Heute reicht es einfach nicht mehr, bei Twitter oder Facebook Meldungen in der Form “Bei uns gibt’s schöne Handtaschen für Frauen!”, “In 7 Tagen faltenfrei mit unserer Wundercreme!” oder “Verwöhnen Sie sich mit unserem luxuriösen Badeschaum!” abzusetzen. Solche Meldungen, die nur aus leeren Marketinghülsen bestehen, machen nicht neugierig, sondern nerven nur.
Bieten Sie stattdessen wissenswerte Information rund um Ihr Angebot. Die Betonung liegt dabei auf “wissenswert”. Berichten Sie von den Produktionsstätten Ihrer Artikel. Erzählen Sie die Geschichte Ihres Produktes. Informieren Sie über wissenschaftliche Hintergründe.
Die Handtaschen stammen aus einem uralten, familiengeführten Traditionsbetrieb? Der Badeschaum ist auch für Allergiker/Neurodermitiker geeignet? Sie wissen, wie Falten – medizinisch gesehen – entstehen?
Wunderbar! Twittern Sie das! Denn das sind interessante Informationen. Gleichzeitig wird durch solche kleinen Anekdoten rund um Ihre Produkte ein persönlicher Bezug zu den Artikeln geschaffen.
Für Ihre potentiellen Kunden ergibt sich durch solche Hintergrundinformationen der vielgerühmte Mehrwert.
Die Information sollte im Vordergrund stehen. Dann erst die Verkaufsabsicht. Das erste Ziel sollte sein, die Besucher neugierig zu machen, denn neugierige Seitenbesucher sind gute Seitenbesucher. Neugierige Besucher kaufen eher als solche, die einen Link aus purer Langeweile anklicken.
Ein Blog, das Ihren Webshop ergänzt, ist die ideale Plattform, um solche Anekdoten und Hintergrundberichte zu den Produkten zu liefern. Regelmäßige Blogartikel bieten außerdem viel Futter für Suchmaschinen und können Ihnen dadurch Vorteile gegenüber dem Wettbewerb verschaffen.
Also: bieten Sie mehr als “Kauf mich!” und nerven Sie nicht rum. ;o)

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Herbert Jungreithmayr
23.07.2010 um 17:36
Es stimmt, dass Social Media Marketing nicht neu ist, denke aber, dass immer noch viele Firmen (gerade in bestimmten Regionen…), das Potential dahinter falsch einschätzen bzw. als unwichtig einstufen…
Marc
25.07.2010 um 15:53
Heute ist doch praktisch jedes Unternehmen auf Facebook und Co online, doch viele machen sich genau diese Gedanken nicht und denken, wenn man nur präsent ist genügt das schon. Tut es eben nicht, drum ist Kreativität gefragt. Ein cooles Beispiel dazu ist die IKEA-Kampagne auf Facebook, die innert weniger Tagen Millionen Hits verbucht hat und kaum Kosten verursacht hat.
Thomas Besmer
25.08.2010 um 12:48
Finde den Artikel sehr passend. Eine Beziehung zu seinen potentiellen Kunden baut man nciht damit auf, dass man ihm Angebote und Kaufhinweise liefert. Es geht viel mehr darum, sich in die Beziehung einzubringen, Informationen und Hintergrundwissen zu liefern, so dass sich der Kunde von ihnen, also Ihrem Unternehmen ein Bild machen kann.
Eine Beziehung im Web aufzubauen ist fast identisch wie im richtigen Leben. Man muss sich was Schenken, bzw. dem anderen Gutes tun und dies immer wieder. Und Gutes tun ist nicht einen Rabatt gewähren, sondern Informationen. Ein Lebensmittelhändler soll nicht seine Wochenhits anpreisen, sondern mögliche Rezepte die zur Saison passen mit Produkten aus seinem Sortiment. Wenn einzelne Produkte noch in Aktion stehen, kann dies erwähnt werden. So haben die Kunden Rezeptvorschläge und wissen zusätzlich, dass sie alle Zutaten bei diesem Händler erhalten, ohne von einem Händler zum anderen zu rennen. Dies ist ein Mehrwert der sich für beide Seiten lohnt.