Gestern haben wir den Bling-Bling-Typ kennen gelernt, der sein Leben der Verschönerung des Internet gewidmet hat und Websites ausschließlich unter ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet und umsetzt.
Weshalb diese dann regelmäßig größere technische Defizite aufweisen.
Selbstverständlich gibt es auch das nüchterne Gegenstück. Den Techniker oder Null-Eins-Typ.
Im Grunde seines Herzens ist der 01er eher Programmierer als Designer.
Leichtfüßig wird er Ihnen jeden technischen Sonderwunsch mit links erfüllen. Ihre Ansprüche an die neue Website sind so hoch, dass eine bloße Anpassung eines handelsüblichen Content management systems nicht mehr reicht? Macht nichts! Der Techniker programmiert Ihnen einfach ein eigenes CMS! Unnötig zu erwähnen, dass sein Quelltext schlank und geradlinig, schnörkellos und suchmaschinenfreundlich ist. Valide und fehlerfrei sowieso.
Kurz und knapp: der Null-Eins-Typ fühlt sich pudelwohl in der Welt der Bits und Bytes, der Einsen und Nullen.
Nicht ganz so wohl fühlt er sich in der Welt der Werbung und des Marketing. Hartnäckig verschließt er sich der Tatsache, dass der Mensch stark visuell orientiert ist. Farben und Bilder, das ganze Design einer Seite spielt für ihn eine sehr untergeordnete Rolle. Um genau zu sein: es spielt für ihn gar keine Rolle. Er betrachtet den gestalterischen Teil des Webdesigns eher als ein notwendiges Übel.
Und so finden sich dann auf seinen Seiten Farbkombinationen, die bei den Besuchern Reaktionen wie Brechreiz, vorübergehende Erblindung und kurzzeitige Unzurechnungsfähigkeit auslösen. Grafiken sind pixelig und schlecht bearbeitet, Inhalte unübersichtlich und unaufgeräumt.
Den Punkt der Gestaltung zu vernachlässigen, bedeutet aber, die Besucher zu vernachlässigen. Der normale Durchschnittsmensch interessiert sich nicht wirklich für einen sauberen Quelltext. Die technische Umsetzung ist für den Besucher nur insofern relevant, als sie ausschlaggebend ist für die fehlerfreie und ordnungsgemäße Anzeige der Seite.
Im positiven Sinne kaufentscheidend wird Quelltext niemals sein (höchstens im negativen Sinne, wenn die Seite Funktions- oder Darstellungsfehler aufweist).
Der erste Eindruck aber kann sehr wohl positiv kaufentscheidend sein. Und dieser erste Eindruck entsteht in einem visuellen Medium wie dem Internet nun einmal über die Aufmachung und Übersichtlichkeit der Homepage.
“Kaufentscheidung” ist in diesem Zusammenhang eher übertragen gemeint, da die wenigsten Seitenbesucher nach wenigen Minuten Aufenthalt sofort etwas bestellen oder Ihnen sofort einen Auftrag erteilen. Gemeint ist eher die Entscheidung, überhaupt ein paar Minuten zu verweilen, sich mit Ihnen und Ihren Angeboten zu beschäftigen, Ihre Seite vielleicht zu den eigenen Favoriten hinzuzufügen.
Der erste und vielleicht wichtigste Schritt auf dem Weg zum Geschäftsabschluss ist, die Aufmerksamkeit des potentiellen Kunden zu gewinnen (und zu halten!). Und dafür ist ein angenehmer, in sich schlüssiger optischer Eindruck essentiell.
Es geht also beim Design einer Homepage nicht um persönlichen Geschmack, sondern um die Ausnutzung des vollen Potentials.

Seite bookmarken